# Business Card Scanner Visitenkarten abfotografieren, automatisch freistellen, auslesen und als Kontakt aufs iPhone holen. Selbst gehostete PWA, ein Container. ## Was die App macht **Stapelscan.** Ein Foto von zwanzig Karten auf dem Tisch reicht. OpenCV findet die Kartenrechtecke, entzerrt sie perspektivisch und schneidet sie einzeln aus – ohne manuelle Nacharbeit. Der Zuschnitt wird dabei leicht enger gesetzt als die erkannte Kante, damit kein Untergrund stehen bleibt, und die Beleuchtung wird ausgeglichen, damit das Papier weiß wird statt grau. Jeder Zuschnitt geht als Bild an das Vision-Modell, das Name, Firma, Position und Kontaktdaten als strukturiertes JSON zurückgibt. Ein vorgeschalteter OCR-Schritt wäre kontraproduktiv: er würde Layout und Schriftgrößen wegwerfen, also genau die Information, aus der die Feldzuordnung entsteht. Das Modell sagt außerdem, wie herum die Karte gehört – geometrisch ist das nicht bestimmbar – und das gespeicherte Bild wird entsprechend gedreht. **Die Antwort wartet nicht auf das Modell.** Der Scan liefert die freigestellten Karten sofort zurück, das Auslesen läuft danach im Hintergrund weiter; die Oberfläche lädt nach. Ein Zwanzigerstapel blockiert damit keine Minute im Upload. Wer eine Karte in der Zwischenzeit von Hand ergänzt, verliert die Eingabe nicht – das Modell füllt nur leere Felder. Bricht der Server mitten im Lauf ab, holt er die offenen Karten beim nächsten Start nach. **Metadaten.** Aufnahmezeit und GPS kommen aus den EXIF-Daten des Fotos, nicht aus dem Browser – Karten werden oft erst abends am Schreibtisch abfotografiert, der Browserstandort wäre dann das Wohnzimmer statt der Messe. Die Koordinaten löst Nominatim in einen Ortsnamen auf. Fehlen EXIF-Daten, greift der Browserstandort als Rückfallebene. **Anlass.** Ein Feld auf der Startseite („Hannover Messe 2026“) gilt für alle folgenden Scans und wird im Browser gemerkt. Verlässlicher als der Ortsname aus den Koordinaten und die eigentliche Ordnung über den Bestand. **Dubletten.** Auf Messen trifft man Leute wieder. Die Detailansicht zeigt Karten, die dieselbe Person meinen könnten – gleiche E-Mail, gleiche Telefonnummer (Schreibweise egal, verglichen werden die letzten acht Ziffern) oder gleicher Nachname bei gleicher Firma. **Rückseite.** Nachträglich ein zweites Bild zur Karte aufnehmen. Es wird ausgelesen, füllt aber nur Felder, die die Vorderseite offen gelassen hat – dort steht oft nur die Mobilnummer. **Übersicht.** Alle Karten mit Volltextsuche über Name, Firma, Anlass, Ort und Notiz. Filter für „nicht exportiert“, „unvollständig“ und „mit Erinnerung“. **Export und Teilen.** *In Kontakte speichern* liefert eine vCard 3.0, die iOS direkt in die Kontakte-App übernimmt. *Als vCard teilen* geht über das System-Teilenblatt – per AirDrop, Mail oder Nachricht, ohne Umweg über den Download. Bewusst einzeln: ein Sammelexport schiebt zwanzig Kontakte ungeprüft ins Adressbuch. **Notizen und Erinnerungen.** Freitext pro Karte. Erinnerungen mit Termin gehen als Mail raus; verpasste Termine holt der Scheduler beim nächsten Start nach. Schnellwahl für die üblichen Abstände, damit das Datumsfeld selten gebraucht wird. ## Stack Python 3.12, FastAPI, SQLite, OpenCV, Anthropic SDK. Frontend ohne Build-Schritt: statisches HTML, CSS und JavaScript, als PWA installierbar. ## Lokal starten ```bash python -m venv .venv && .venv/bin/pip install -r requirements-dev.txt cp .env.example .env # APP_PASSWORD leer lassen schaltet die Anmeldung ab DATA_DIR=./data .venv/bin/uvicorn app.main:app --reload --port 8099 ``` Ohne `ANTHROPIC_API_KEY` läuft alles außer der Extraktion: Karten werden freigestellt und gespeichert, die Felder bleiben leer. ```bash .venv/bin/pytest -q ``` ## Deployment Tag-Push nach den Konventionen in [DEPLOY.md](DEPLOY.md). Vor dem ersten Tag: 1. **Secret `DOTENV`** anlegen (Repo → Einstellungen → Actions → Secrets), Inhalt nach dem Muster in [.env.example](.env.example). `SECRET_KEY` mit `openssl rand -hex 32` erzeugen. 2. **Proxy Host** im Nginx Proxy Manager: `scanner.lucas-orth.de` → `business-card-scanner` : `8080`, danach Let's-Encrypt-Zertifikat und „Force SSL“. 3. **Deployen:** `git tag v1.0.0 && git push origin v1.0.0` ### Zugang Die App hängt hinter dem öffentlichen Proxy, nicht im Tailnet. Sie enthält personenbezogene Daten Dritter, deshalb ist `APP_PASSWORD` auf dieser Domain Pflicht – ohne Passwort ist sie für jeden erreichbar, der die Adresse kennt. Wer zusätzlich absichern will, trägt im NPM unter *Access List* eine IP-Beschränkung auf den Tailnet-Bereich ein. ### Kosten Ein Kartenzuschnitt kostet ungefähr zwei Cent bei `claude-opus-5` (Standard). Ein Stapel von zwanzig Karten liegt damit bei etwa 40 Cent. `ANTHROPIC_MODEL=claude-haiku-4-5` in der `.env` drückt das auf einen Bruchteil, zulasten der Trefferquote bei kleiner Schrift und unruhigen Layouts. ## Aufnahmebedingungen für den Stapelscan Die Freistellung ist reine Geometrie und braucht Kontrast zum Untergrund: - dunkler, matter, einfarbiger Untergrund - Karten berühren sich nicht - Kamera möglichst parallel zur Tischplatte - volle Auflösung – deshalb die native Kamera, nicht der Livestream Findet die Pipeline kein Kartenrechteck, behandelt sie das ganze Foto als eine Karte und sagt das in der Oberfläche. Einzelne Fehlgriffe lassen sich pro Karte über *Bearbeiten* korrigieren. ## Verzeichnisse ``` app/ FastAPI-Anwendung segment.py OpenCV-Pipeline: Karten finden und entzerren extract.py Vision-Modell, strukturiertes JSON imaging.py EXIF-Auswertung, Bildkonvertierung duplicates.py Ähnliche Karten finden vcard.py vCard 3.0 reminders.py Scheduler für die Erinnerungsmails static/ PWA: HTML, CSS, JavaScript, Service Worker tests/ pytest, inklusive synthetischer Stapelfotos ``` Persistente Daten liegen im Volume `business-card-scanner-data` unter `/data`: `cards.db` und die Kartenbilder in `images/`.